Böckchenhaltung

 

 

Ich bin prinzipiell gegen Einzelhaltung! Meerschweinchen sind Gruppentiere und brauchen einen Ansprechpartner zum Liebkosen, Kuscheln, und zur Kommunikation! Genaueres könnt ihr nachlesen, wenn ihr das Banner anklickt.

Alle folgenden Empfehlungen richten sich nach meiner eigener Erfahrung mit mittlerweile über 15 Böckchen!

Allem voran: Böcke stinken nicht mehr als das Weibchen tun und somit ist das schon mal kein Grund dem männlichen Geschlecht eine Chance zu verwähren! Der entscheidenende Vorteil an Böckchengruppen ist, dass es keinen "Zickenstreit" gibt, sondern alles recht schnell geklärt wird. Natürlich hängt es auch von den Tieren ab, aber Böcke sind im allgemeinen ruhiger, neugieriger, zugänglicher und desewegen mitunter eher für Kinder geeignet.

Auch dass sich Böckchen nicht vertragen bzw. nicht zusammen halten lassen ist ein Gerücht, dass ich hiermit aus der Welt schaffen möchte. Allerdings ist auch nicht immer alles Eitel, Wonne, Waschtrog wenn "Männer" unter sich sind, aber wo ist es das schon?!? Wichtig ist: Gewusst wie, gepaart mit ein bißchen Geduld klappt fast immer :-)!

Ein paar generelle Dinge vorweg:

Vergesellschaftungsregeln

Die Zusammenführung

Trifft alles obig erwähnte zu sind nur noch die folgenden Punkte bei der unmittelbaren Zusammenführung zu beachten, dann es sollte problemlos klappen. Sollte das nicht der Fall sein, dann kann es durchaus sein, dass sich die Meeris einfach unsympatisch sind (wie menschlich!) und man sollte sie besser mit einem Weibchen oder einem anderen Böckchen vergesellschaften.

 

Auf jeden Fall sollte man die Tiere trennen, wenn einer der obigen Gründe vorliegt, oder eines der Tiere abnimmt, weil es nicht mehr zum Futter gelassen wird, oder aber auch sich von selbst nicht mehr traut. In diesem Fall nimmt man eher den Verfolger, als den Verfolgten heraus. Macht man es umgekehrt, dann kann es passieren, dass der "Übeltäter" sich ein anderes Opfer sucht (so zumindest meine Erfahrung).

VORSICHT bei in Rage geratenen Meerschweinchen!! Sie können ganz schön kräftig zubeißen und man sollte sie nicht mit der bloßen Hand trennen, sondern lieber ein Stück Karton oder ähnliches dazwischen stellen und wenn sie sich beruhigt haben erst anfassen! Ich selbst musste das schon schmerzlichst erfahren und will es deswegen dem interessierten Leser ersparen.

 

Aus aktuellem Anlass ein Bericht zu dem Thema "Wenn ein Schweinchen Probleme mit Autoritäten hat..."

Folgendes hat sich bei mir in den letzten Tagen zugetragen:

Ich besitze acht Schweinchen verteilt auf zwei Ebenen. Oben drei und unten fünf. Als letztes auf der unteren Ebene zog Toni ein, das kastrierte Böckchen meines Bruders, weil er sich mit seinem Partner nicht mehr verstand. Er wurde sehr liebevoll und ohne Probleme von Gimli (unkastrierter Chef der Truppe) und den anderen Kastraten aufgenommen. Nach einigen Wochen kristallisierte sich heraus, dass Toni einige Männchen für sich beanspruchte. Gimli und Toni klapperten sich infolgedessen sehr oft an, wenn sie sich im Käfig begegneten, aber weiter passierte nichts.
Ein paar Tage später brach eine Ebene weiter oben ebenfalls der Krieg aus, denn das jüngste Meeri Ferkel (ebenfalls ein Kastrat) wollte Krümel nicht mehr zur Futterschüssel lassen. Auch sonst verjagte er ihn von überall, sobald er ihn sah. Dazu muss man sagen, dass diese Meerschweinchen mein Versuch war eine "harmonische" Dreiergruppe zu bilden. Scheinbar war das, wie schon zuvor von mir vermutet, nicht möglich, denn Ferkel beanspruchte Moe (Chef) für sich und Krümel durfte nur noch am Häuschen sitzen und runterschauen! Einige Wochen schaute ich mir das Verhalten der Drei an, da sich meistens von alleine Veränderungen einstellen. Hier allerdings war das nicht der Fall und ich musste etwas unternehmen. Des Rätsels Lösung schien mir zu sein, den Störenfried einfach eine Ebene nach unten zu verfrachten, denn da musste er sich auf jeden Fall unterordnen! Ich bereitete also alles im Gartenfreilauf vor und setzte die untere Fünfergruppe inklusive Ferkel zusammen. Am Anfang schien alles, wie immer, gut zu klappen, aber schon nach wenigen Minunten kippte die Stimmung und alle waren sehr angespannt. Zunächst war mir nicht so ganz klar warum alle so nervös durch die Gegend liefen, doch dann bemerkte ich, dass Toni hinter Ferkel her war und zwar nicht um ihn zu begurren und zu bespringen, sondern er biss ihn in den Hintern und Gimli versuchte ihn zu verteidigen. Es brach kein wüster Kampf aus, aber es blieb immer angespannt, wenn sich Toni und Gimli begegneten und Ferkel verzog sich in die hinterste Ecke!
Nachdem sich einige Zeit später doch alle recht friedlich über das Gras hermachten, beschloss ich den Käfigversuch zu wagen und setzte sie, nach beendigter Wiesenverköstigung, in den Käfig zurück. Die Stimmung blieb ähnlich wie im Freilauf: angspannt mit einzelnem Geklappere, aber ohne dass einer körperlich angegriffen wurde. Trotzdem traute ich der Sache nicht so ganz und ich sollte recht behalten!

Ich blieb stundenlag vor dem Käfig sitzen um die Sache zu beobachten. Ferkel hatte sich in ein Eck mit einem Tontopf voller Heu zurückgzogen und wurde von Gimli immer wieder angegurrt. Er ließ es mehr oder weniger friedlich über sich ergehen und rollte sich in dem Heuhaufen für ein Nickerchen zusammen. Was aber extrem auffällig war, war dass Toni immer wieder wie von der Terantel gestochen in Richtung Gimli sprang, wenn dieser anfing Ferkel zu "umwerben". Toni biss Gimli zwar nicht, aber hätten Blicke töten können, dann wäre Gimli wohl das Opfer gewesen! Als am Abend schließlich alle Schweichen sich irgendwo ein Schlafplätzchen gefunden hatten, nahm ich Ferkel zu mir, um zu schauen, ob Toni ihn ernsthafter verletzt hatte, als ich beobachtet habe (man weiß ja nie, was in einem unbeobachteten Moment geschehen sein könnte *g*), aber dem war nicht so. Plötzlich passierte etwas völlig Unertwartetes! Toni schreckte aus dem Schlaf hoch, erblickte Gimli, der ca. 40 cm neben ihm ruhte, schoss auf ihn los und verbiss sich völlig in ihm. Die beiden kugelten eine Halbetage tiefer, die Stufen hinunter und trennten sich in einem großen Gezehter. Ich war völlig fassungslos! Toni saß unter der großen Weidenbrücke und winselte vor sich hin; Gimli saß wie versteinert davor. Da Toni aber auf seinen Hinterbeinen hin- und herstieg, wusste ich, dass er sich ernsthafter verletzt haben musste. Ich wagte also den Versuch in anzugreifen und aus dem Käfig zu nehmen. Ferkel habe ich natürlich wieder hineinsetzten müssen -änderte aber nichts an dieser Schocksituation. Zu meinem Entsetzten stellte ich fest, dass Toni ein zur Hälfte eingerissenes Augenlied hatte und der gesamte Augapfel freilag, auch das Ohr war wie mit einem Rasiermesser in die Hälfte getrennt worden. Sofort fuhr ich mit meiner Mutter gemeinsam in die TMA, wo alles soweit genäht und versorgt wurde. Natürlich war es Feiertag und neun Uhr abends -viel teurer gehts dann nicht mehr- aber Hauptsache das arme Meeri war wieder soweit am Damm! Gimli und den anderen war nicht viel geschehen (bis auf ein paar Bisswunden, von denen ich weiß, dass sie von alleine heilen) und Toni bezog nach der Rückkehr aus der TMA sein eigenes Quartier.
Die nächsten Tage musste ich Toni mit Medizin und Salbe versorgen, doch trotz heilender Wunden schien er sehr unglücklich zu sein und hörte auf zu fressen bzw. fraß nur noch ganz wenig. In Absprache mit der Tierärztin wollte ich also noch einen Versuch wagen, Toni zu integrieren. Dazu stellte ich folgende Überlegung an: Toni, der nun sechs Tage alleine gesessen hatte wird sich vielleicht wieder über Gesellschaft freuen. Ferkel ist mittlerweile in die Gruppe integriert worden und stellt nicht mehr den Neuling und damit "Eindringling" dar. Somit ist Toni der Neue, der sich mit der gegebenen Situation arrangieren muss.
Wieder wurde Auslauf aufgebaut, Futter verteilt, Schweinchen eingesprüht und los gings. Diesmal lief nach kurzem Zähnegeklappere alles sehr entspannt ab. Während sich die Meeris im Auslauf vergnügten, machte ich den Käfig komplett neu und setzte sie einige Stunden später in ihr frisches Quartier. Es wurde gerurrt und erkundet und eine Stunde später hatte jeder seinen Platz gefunden und döste vor sich hin.
Aus diesem Erlebnis schließe ich, dass ein Schweinchen, dass mit neuen Tieren nicht zurecht kommt, weil er sie nicht für sich beanspruchen darf, immer zuletzt in die Gruppe kommen sollte. Notfalls nimmt man, so wie ich, das Tier einige Tage heraus, setzt das Neue hinein und dann erst wieder darf der Ältere zurück. Bis jetzt hat dieser "Trick" geklappt!

Dieses Ende ist erst einige Tage her, doch bis jetzt leben alle friedlich, vergnügt und zu sechst zusammen...mal sehen ;-)

Der Versuch wurde nach wenigen Wochen dann doch noch von mir abgebrochen. Es kam nach einer längeren friedlichen Phase doch wieder Unruhe in die Gruppe und bevor Toni noch ein zweites Augenlied fehlt, habe ich ihm Tamy als Gesellschaft besorgt. Die beiden sind jetzt ein Herz und eine Seele *freu*!!

26.4.2006

Eine neue Vermutung hat sich bestätigt. Es funktioniert einfach nicht einen unkastrierten Bock in eine Kastratengruppe einzugliedern (auch wenn er noch einen Kastraten als Freund in die Gruppe mitbringt). Zumindest bei meinen zwei Versuchen (mit zwei unterschiedlichen Gruppen) ist es gescheitert, da der unkastrierte Bock (!!) das Feindbild der Kastraten wurde und aufs Wüsteste attackiert wird!

Interessante Erfahrungsberichte zur Bockhaltung finden sich auch hier:

Meerschweinchenverein

Ellerschloss

Salatgurken